Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Wüstenritt durch ein unbekanntes Land – Teil 1 Ashgabat

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Mittwoch, 16.05.2018 – Anreise

[…] Weiter geht der Flug im Sonnenuntergang über das Schwarze Meer und Georgien, wo man die schneebedeckten Gipfel des Kaukasus sieht. Nach viereinhalb Stunden geht es runter zur Zwischenlandung in Baku. Die Stadt liegt in einem weiten Bogen am Kaspischen Meer und leuchtet wie ein Weihnachtsbaum. Mehrere große Gebäude bestehen komplett aus LED-Fassaden mit buntem Farbspiel. Auch die Außenhülle des Stadions wechselt im Minutentakt die Farbe. Die Autobahnen sind noch heller beleuchtet als in Belgien. Fast alle Passagiere steigen hier aus. Da nur eine handvoll Leute im Flugzeug bleibt, ist es leicht, die weiteren vier Reisegruppenmitglieder zu finden. Wir setzen uns im leeren Flugzeug zusammen und verstehen uns gleich super. Ich nutze die Gelegenheit und lasse von der freundlichen Stewardess Gläser aus der Business Class bringen und die Flasche Geburtstagssekt routiniert öffnen, die wir dann während des einstündigen Aufenthaltes leeren und auf eine schöne Reise anstoßen. Nun gratuliert mir auch der Rest der Crew zum Geburtstag. Leider dürfen sie nicht mittrinken, aber ihnen macht die Anwesenheit unserer lustigen Runde sichtlich Spaß. Und im Handumdrehen geht es weiter auf die letzte Etappe nach Ashgabat. Über den Kerosinverbrauch pro Person möchte ich für dieses Teilstück nicht nachdenken, aber schon in einer Stunde landen wir sicher in Ashgabat. Auch hier leuchtet die Stadt hell und bunt. Der Flughafen ist nagelneu und wunderschön, aber leider darf man nicht fotografieren. Die Einreiseformalitäten dauern zwar etwas, aber klappen reibungslos. Draußen wartet schon der Guide, der uns ins Hotel bringt, wo wir halb drei müde ins Bett fallen.

Donnerstag 17.05.2018 – Ashgabat – Fahrt nach Turkmenbashi

Freundlicherweise startet unser Programm in Ashgabat nach der späten Anreise heute Nacht erst zehn Uhr, sodass man etwas ausschlafen und in Ruhe frühstücken kann. Wir fahren mit einem Kleinbus über breite Prospekte (Straße) aus der Stadt raus, wo mitten in der Wüste der neue Markt gebaut wurde. Wie auf einem Messegelände gibt es hier in großen Hallen alles zu kaufen, was man brauchen könnte, von Obst über Haushaltswaren bis zu Elektrogroßgeräten. Auch ein Tiermarkt ist angeschlossen. Hier werden die berühmten Schafe mit Fettschwanz angeboten. Einige Kamele stehen gelangweilt herum. Die Mode der angebotenen Kleidungsstücke entspricht noch in etwa dem Stand in der DDR.

Nächstes Ziel ist die Moschee zu Ehren des 2006 verstorbenen Präsidenten Turkmenbashi. Auch dieses monströse aber wunderschöne Teil steht mitten in der Wüste und bietet Platz für zehntausend Menschen. Vermutlich ist der Saal aber nur selten gefüllt. Prunkvolle Wasserspiele und grüner bewässerter Rasen schmücken die Umgebung, angeblich gespeist mit Wasser aus den Bergen.

Nun geht es aber zurück nach Ashgabat! Die Stadt ist schwer in Worte zu fassen. Es ist ein interessanter Mix aus russischen, islamischen und turkmenischen Einflüssen, die aber allesamt übertrieben umgesetzt sind. Da sind zum einen die breiten Prospekte mit mindestens sechs Spuren und die großen Plattenbauten aus russischer Zeit. Man findet zudem schöne Moscheen, die aber wenig genutzt werden, dazu überall die Farbe Grün des Islam auf Fahnen, auf Plakaten und der Kleidung, sowie die islamische Sichel auf Gebäuden, aber auch auf jeder Straßenlaterne. Dazu der turkmenische Drang nach Moderne und Selbstdarstellung. Alles muss rein weiß sein, die Gebäude, die Autos, die Ampeln und Laternen. Jedes Gebäude soll schöner und prunkvoller sein als das daneben. Das führt dazu, das selbst Wohnblocks wie Paläste aussehen. Die Symbolik ist hier ganz stark ausgeprägt. So ist die Zahnklinik in Form eines Backenzahns gebaut, die Erdöl-Uni (ja, wirklich) in Form eines Bohrturms, die normale Uni in Form eines Buches… Dazu stehen überall überdimensionale Denkmäler, oft an die hundert Meter hoch, in Form von Skulpturen oder verrückten Türmen, zum Beispiel das Weltraumdenkmal, das Neutralitätsdenkmal, das Friedensdenkmal usw.. Aber am surrealsten ist, dass nirgends Menschen, geschweige denn Touristen sind. Selbst an den ausgefallensten Dingen, wie einem Riesenrad, welches aber in einer goldenen Glashülle fährt, sind wir völlig allein. So kommt einem die ganze Stadt wie eine riesige Kulisse vor. Einzig vor den politisch wichtigen Gedenkstätten stehen jeweils zwei Wachsoldaten in einem Glaskasten davor, die man nicht fotografieren darf. Die armen Jungs müssen in der Hitze eine Stunde unbeweglich stramm stehen, bevor sie im Stechschritt abgelöst werden. Die weiten Flächen und Hügel dazwischen, die eigentlich Wüste wären, sind alle mühsam akkurat bepflanzt, wobei jeder einzelne Baum bewässert werden muss. Um die Denkmäler sind jeweils riesige Parks mit Blumen und Rasen angelegt, ebenfalls gepaart mit Sprinkleranlagen. Überhaupt ist der Wasserverbrauch enorm hoch, denn ausnahmslos alle Sehenswürdigkeiten und Plätze sind von ausgefallenen Wasserspielen, Springbrunnen oder Wasserkaskaden umgeben. Auffällig ist, dass die ganze Stadt blitzeblank ist, kein Krümelchen liegt auf den Straßen. Dafür sieht man ab und an Grüppchen, die saubermachen und wegen der Sonne vollverschleiert sind. Das Gute für uns ist, dass man wegen der Trockenheit nicht schwitzt. Zudem sind die Temperaturen mit rund dreißig Grad noch erträglich.

Am frühen Abend fahren wir zum Bahnhof. Hier ist das erste Mal etwas Menschengetümmel zu sehen. Mit vielen Taschen und schick gekleidet warten die Leute auf ihren Zug. Jungs in Tarnfleck werden von ihren weinenden Müttern verabschiedet und mit vielen Plastiktüten Proviant versorgt. (Wie ich später erfahre, dienen viele an der Grenze zu Afghanistan, wo es sehr gefährlich ist). An den Ständen werden Teigtaschen und Coca-Cola verkauft. Wir wollen mit der Transkaspischen Eisenbahn nach Westen ans Kaspische Meer fahren. Unser Zug chinesischer Bauart fährt ein, wir zeigen unsere Tickets und nehmen unser Viererabteil zu dritt in Beschlag. Jetzt am Abend ist Zeit für den Austausch von Reiseerlebnissen und Geschichten aus dem Leben, wovon jeder einige zu erzählen hat. Ein paar Alkoholmitbringsel lockern die Stimmung. Draußen ziehen Felder und sogar Weinanbaugebiete vorbei. Die Nacht in den Klappbetten wird rüttelig und so richtig schlafen kann man nicht.

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